Zurück zur Natur

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Was ist Mut?

AllgemeinesPosted by Harmonie 22 Mar, 2015 09:46:58

Was ist Mut?

Es kommt vor, dass mich Menschen mutig nennen. Mutig, weil ich mein normales Leben aufgegeben habe, mutig, weil ich mich nicht ängstige Wochen allein hier auf dem Berg zu sein und und und.

Das hat mich dazu bewogen in mich hinein zu hören, ob ich mich selbst als mutig empfinde und was es mit dem Mut so auf sich hat!?

Das Gegenteil von Mut, ist allgemein anerkannt die Angst. Also wer mutig ist, hat keine Angst!?

Da ich mich als so gar nicht mutig empfinde, führt mich das zu der Erkenntnis, dass, wenn jemand Dich als mutig bezeichnet, es gar nichts mit Dir zu tun hat, sondern mit ihm selbst und seinen eigenen Ängsten vor etwas.

Ich hatte, seit Kindertagen an, nie Angst in der Natur, oder vor Tieren, sondern eher vor der Stadt und vor Menschen und dem was sie sind fähig zu tun. Tiere waren für mich ehrlicher. Ich vertrat die strikte Meinung, dass kein Tier, in unseren Breitengraden, einen Menschen angreifen wird, ohne vorher zu signalisieren, dass es nicht angefasst werden will, oder man bitte Abstand halten solle. Ein gesundes Tier, wird Dich immer vorwarnen durch Zähne fletschen, Ohren anlegen, etc. bevor es zubeißt, oder nach dir tritt. Menschen hingegen, lächeln Dich an und "beißen" zu.

Meinen Eltern war diese kindliche Einstellung und meine Naturverbundenheit sehr suspekt. Sie sind bis heute die durch und durch überzeugten Stadtmenschen. Meine Mutter ist ein extrem ängstlicher Mensch, in allem und konnte meine Unerschrockenheit und das Fehlen jedweder Angst vor Tieren in keinster Weise nachvollziehen, oder respektieren. Sie versuchte mich zu überzeugen, anders zu denken, Angst zu haben und vorsichtig zu sein, aber ich blieb dabei, dass ich es spüren würde, wenn ein Tier mir "Böses" wollen würde und sah jedes Tier als von Natur aus gutmütig an.

Es gab für mich einfach kein böses Tier! Ich konnte Hunde streicheln, die als bissig galten, konnte mit Pferden kuscheln, die "garstig" waren. Mein "Freund" war ein ausgewachsener Stier mit einem Nasenring. Er war ein geballtes Muskelpaket. Ich verstand es nicht, dass der Besitzer sich ihm nur mit einer Stange näherte und ihm diese durch den Nasenring trieb, damit er ihn an einen anderen Platz führen konnte, denn es bereitete meinem Stier sichtlich Schmerzen. Wenn ich an seinen Weidezaun kam und ihn rief, egal wie weit er weg war, er hob den Kopf und kam auf mich zu - manchmal auch gerannt. Auch dort verspürte ich keine Angst. Ich hatte ein Urvertrauen in dieses Wesen und wusste, dass er mir nichts tun würde. Bis zu dem Tag, als ich meinen Eltern stolz meinen "Freund" zeigte und ihn herzlich streichelte und knuddelte. Meine Mutter wurde kreidebleich und ergriff sofort den Arm meines Vaters. Sie zogen mich weg und ich erhielt eine Standpauke, wie schrecklich gefährlich so ein Tier sei, dass es durch Zäune brechen könnte, mich umrennen, anfallen, auf die Hörner nehmen, töten, ich weiß nicht mehr, was sie mir alles für Schauergeschichten erzählten. Ausgesprochen wurde auch das Verbot, mich diesem "Monster" wieder zu nähern.

Das ging ein paar Tage gut, aber dann trieb es mich doch wieder zu meinem Stier. Diesmal war die Begegnung anders. Ich hatte mich mit Ängsten impfen lassen. Ein Teil, ich nenne ihn das unschuldige Kind in mir, freute sich auf meinen Freund, der andere rief sich all das wieder in den Kopf, was meine warnenden Eltern gesagt hatten. Ich spürte, wie mein Herz schneller schlug, als ich um die Hecke bog. Ich begann zu schwitzen und bekam plötzlich Angst, mein Urvertrauen war verschwunden und mein Stier, mein über Wochen "braver" Freund, sah mich, hob den Kopf, witterte mich und senkte den Kopf wieder. Dann fing er an mit dem linken Vorderhuf Erde in die Luft zu schaufeln, so wie ich es aus dem Fernsehen kannte, bevor sie angriffen. Ich lief weg und hab meinen Stier nie wieder gesehen.....

War ich in dieser Episode meines Lebens mutig, ängstlich, feige oder einfach wahnsinnig?

Für meine Mutter war ich außer wahnsinnig, wohl auch mutig, denn sie hatte große Angst vor diesem Tier. Ich hab mich überhaupt nicht mutig gefühlt, denn ich verspürte keine Angst.

Heute denke ich, hätte ich für mich Mut bewiesen, hätte ich mich meinen Ängsten gestellt. Natürlich nicht mit der Angst in mir dem Stier gegenüber treten, diese Erfahrung habe ich gemacht. Tiere spüren Deine Angst und reagieren darauf. Somit hätte ich erst an meinen Ängsten arbeiten müssen und wenn ich dieses Vertrauen in mich wieder gehabt hätte, dann hätte ich ihm gegenüber treten können, ohne dass der Stier mich angegriffen hätte. Dann und erst dann, hätte ich mich sicher als mutig empfunden; aber wäre ich das wirklich gewesen? In dem Moment ist ja gar keine Angst mehr da, also auch kein Mut. Im Grunde ist es ja dann viel mutiger seinen Ängsten zu begegnen und sie abzulegen.

Das Leben reagiert auf alles was du in Dir trägst und so ist es nicht verwunderlich, dass das Leben auf seine ganz eigene Weise, auch auf meine Ängste reagierte. Es ist immer noch so, dass ich die Natur der Stadt vorziehe und mir Tiere immer noch ehrlicher erscheinen als Menschen und da ich nun einen langen Erfahrungsweg hinter mir habe, fühlen sich die äußeren Dinge heute auch ganz anders an als damals. Somit waren die Erfahrungen mit der Stadt und den Menschen sicher weniger schön und doch auch eine Bereicherung, um Erkenntnis über die Zusammenhänge in mir und dem Außen zu bekommen.

Um auf meine anfängliche Frage zurück zu kommen….

„Wer mutig ist, hat keine Angst?“

Für mich war es nicht mutig, dem Stier zu begegnen, denn ich spürte keine Angst. Ich fühlte mich aber auch nicht mutig, als ich ihm mit Angst begegnete - da war ich ängstlich, nicht mutig. Für mich habe ich erkannt, dass ich das Gefühl „Mut“ gar nicht kenne!! Hat einer von Euch schon einmal „Mut“ gefühlt? Also ich nicht. Ich weiß wie sich Freude anfühlt, Trauer, Wut und Traurigkeit, aber Mut!? Für mich gibt es „Angst haben“ und „frei von Angst sein“. Somit kann nur ein anderer über mich sagen: „Du bist mutig!“ aber auch nur, weil es dann doch wieder um Ängste geht – seine eigenen – aber fühlen kann auch er es nicht, mutig zu sein.

Als Fazit: Für mich existiert kein Mut, nur als Wort, nicht als Gefühl, oder Seinszustand. Mutig bist Du nur für Andere und es hat nie etwas mit Dir selbst zu tun, sondern nur mit den Ängsten deines Gegenübers!

Meine Lebensaufgabe ist es, zu den Ursprüngen des kindlichen Vertrauens zurück zu finden, die ich damals als Wissen in mir hatte, weil die Welt dann einfach freundlicher zurück lächelt und wärmer ist.

Mutig ist es für mich, sich seinen Ängsten zu stellen!

Alles Liebe
Harmonie




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