Zurück zur Natur

Zurück zur Natur

Über unseren Blog

Unser Blog soll dazu dienen Erlebnisse, Erfahrungen und Gedanken mit anderen Menschen zu teilen. Themenbezogene Kommentare sind immer gerne gesehen und wer selbst etwas bei uns veröffentlichen möchte schreibt uns bitte an: Email.

Einen anderen Weg einschlagen....

AllgemeinesPosted by Harmonie 22 Mar, 2015 09:27:12


Auf meinen allerersten Kommentar in einem Blog folgten weitere, bei denen es um Bewusstsein, Verstand, einem Regenwurm und dem damit verbundenen Rangsystem der Menschen, Tiere und Pflanzen ging. Da ich mit meiner Überzeugung, dass man etwas gelebt haben muss, um es sich wirklich bewusst gemacht zu haben, von manchen belächelt wurde, möchte ich etwas dazu schreiben, von meiner eigenen erlebten Erfahrung. Erklärend dazu möchte ich sagen, dass ich mein Leben so ausrichte, mit unserer Umwelt, was Mensch, Tier und Pflanze einschließt, bewusster um zu gehen, sie zu achten und zu pflegen.

Wie in dem erwähnten Blog richtig gesagt wurde, lebt ein Großteil unserer Bevölkerung weniger in diesem Bewusstsein und benutzt z. B. auch das Auto für Wege, die man fast schneller zu Fuß erledigen kann. Das ist überhaupt nicht mein Weg und dazu gäbe es noch viel mehr Beispiele. Bei mir ging dieses Gefühl so weit, dies nicht mehr mit machen zu wollen, dass ich mich irgendwann entschloss, meiner inneren Stimme zu folgen und dies alles nicht mehr mit zu machen. Ich wollte etwas verändern, einen anderen Weg einschlagen und dem entgegen- steuern. Im Kleinen tat ich das schon, aber es hat einige Zeit gedauert, den Mut zu finden, dies im größeren Rahmen zu leben und nicht meiner Bequemlichkeit und auch Ängsten zu folgen.

Lange Rede kurzer Sinn, ich zog einen Schlussstrich, kündigte meinen gut bezahlten Job, löste meine Wohnung auf und lebe nun mit meinem Mann und dem Sohn auf einem Berg in Südfrankreich, ähnlich der lieben Heidi und ihrem Großvater. ;-)

Wir leben größtenteils autark, sind nicht ans hiesige Stromnetz angeschlossen, sondern haben eine Solaranlage, haben keine Zentralheizung, sondern Holzöfen, was hier in Frankreich eher normal ist und betreiben einen kleinen Bio-Bauernhof. Unsere Idee ist die, so unbelastet und unbelastend, wie möglich zu leben – im Einklang mit der Natur. Natürlich geht das nicht vollends, denn auch wir haben z. B. ein Auto, aber wir versuchen es so wenig wie möglich zu benutzen und ziehen unsere E-Bikes vor, die kann man hinterher durch Sonnenenergie wieder aufladen, machen keine Abgase und man kann auch prima durch die Gegend düsen!

Unser Sohn, der nun fast 16 ist, hat z. B. kein Handy, was heutzutage ja eher ungewöhnlich ist, weil wir unabhängig von der krankmachenden Strahlung, es auch sehr ungesund empfinden im Entwickeln des Sozialverhaltens, der gegenseitigen Kommunikation und dem Umgang miteinander. Was die krankmachende Strahlung angeht umschließt das nicht nur uns, sondern auch andere Wesen, wie z. B. die Bienen, die für uns und auch unser Überleben sehr wichtig sind.

Auch haben wir keine normale Toilette, sondern ein Kompostklo. Dazu haben wir ein Buch im Internet entdeckt. Ich füge hier wieder einen Link ein, weil es noch viele interessante Bücher zu anderen Themen aus dieser Reihe gibt, die ich einfach toll finde, weil sie aus Eigenerfahrungen entstanden sind.

Zu unserer Familie dürfen wir – im Augenblick, denn die Zahl variiert ;-) – 9 Milchschafe, Hühner, 5 Katzen (sterilisiert/kastriert^^) und 2 Bienenvölker zählen, die wir alle artgerecht halten und biologisch ernähren. Selbst die Bienen müssen, wie in der Natur, selbst für ihr Zuhause arbeiten, da wir nach dem Prinzip der Bienenkiste arbeiten.

Warum ich weiß, dass nur gelebte Erfahrung, wirklich zu Bewusstsein führt? Weil ich mich schon immer für einen umweltbewussten Menschen gehalten, oder mich gefühlt habe, als würde ich Menschen vorurteilslos gegenüber treten, hätte wenig Ängste was das Leben, das Alter(n) etc. betrifft, aber was musste ich erfahren, als ich mich dem neuen Leben, ohne Ablenkung, wie z. B. das Leben ohne Fernsehen, Radio, Nachbarn, Freunde, etc. zuwandte? Das genaue Gegenteil! Durch diese Art von Leben fällt man gnadenlos auf sich selbst zurück und muss sich ganz neu finden. Klar, ich wusste vieles theoretisch und fand mich, wie oben erwähnt, schon gut auf dem Weg, stieß dann aber an meine eigenen Grenzen.

Zugute hielt ich mir selbst, dass ich es zumindest wahrgenommen hatte, noch nicht so weit zu sein, wie ich eigentlich glaubte. Dadurch hatte ich die Möglichkeit, weiter an mir zu arbeiten.


Ich stellte in vielen Dingen fest, wie verwöhnt ich war und das fing in so kleinen Dingen an wie dem, dass wir es heutzutage alle gewöhnt sind, morgens aufzustehen und uns eine wohlige Wärme umgibt, d. h. die Zimmer warm sind. Ich kann heute sagen, dass man viel dankbarer wird und Wärme wieder zu schätzen weiß, wenn man morgens erst mal den Ofen anwerfen muss, um die Eiseskälte im Winter zu vertreiben. Nach und nach spürt man, wie die Wärme einem an den Beinen hoch kriecht und alles mollig warm macht.

Ich stellte fest, dass auch ich, die ich mich fühlte, als hätte ich schon einen guten Teil meines Egos losgelassen, doch noch an vielem festhielt. Dies merkte ich z. B. ganz unspektakulär auf einem Markt. In Deutschland kennen wir unsere Alten immer sehr gepflegt, sie gehen zum Friseur, tragen ein Gebiss, haben adrette, saubere Kleidung an. Hier, wo die Menschen arm sind, erlebt man alte Menschen, die einem aus runzeligen Gesichtern anlächeln. Plötzlich stellt man fest, „Die haben ja gar keine Zähne mehr im Mund!“; man sieht nur 2 Eckzähne und die Gesichter gleichen denen, die man auf Witzkarten sieht. Was an sich eine bedeutende Aussage ist, dass wir heute Alter zu etwas Lächerlichem machen, anstatt uns auf die Naturvölker zu besinnen. In Naturvölkern waren die Alten die Weisen, die man um Rat fragte, die der Familie vorstanden! Welchen Platz gedenken wir unseren Alten heutzutage zu?

Als ich das erste Mal meinen Marktplatz neben einem bestimmten Mann einnahm, dachte ich ebenfalls bei mir: „Oh je, was mag das für einer sein…!?“ Es war vom Gefühl her noch nicht einmal so, dass ich es offen ließ, denn die Frage klingt ja auf den ersten Blick erst mal so. Das war sie aber nicht, denn in meinem Kopf landete er gleich in einer nicht so netten Schublade. Obwohl ich noch dachte, „Halt!! Stopp! Schau was Du da machst..!!?“, war er schon drinnen. Da ich aber schon mal bewusst wahrgenommen hatte, was ich da tat, achtete ich in Zukunft auf mein Gefühl und immer wenn mein Ego etwas sagen wollte, sagte ich „Halt den Mund!!“ und als ich so Woche für Woche neben eben diesem Mann auf meinem Marktplatz stand, fiel mir auf, wie herzlich er zu den Menschen war und ganz besonders zu Kindern. Er hat selbst viele Enkelkinder, die ihn auf dem Markt besuchen und ich war ganz begeistert, wie er mit ihnen umging. Er nahm sich Zeit – auch wenn er Kundschaft hatte und es fiel mir auf, dass er immer ein fröhliches Lied pfiff und jedem freundlich und lachend begegnete.

Vergleichbar ging es mir mit jungen Menschen hier. Die Deutsche in mir sagte sich so manches Mal…“Oh je, was habt ihr denn an und wie sieht denn Eure Frisur aus.” Dreadlocks waren bei mir schon immer negativ besetzt. Sofort war das Urteil in meinem Kopf: „Die können ja gar keine guten Eltern sein!!“ und was musste ich feststellen? Wieder das Gegenteil! Sie hatten wohlgenährte Kinder mit rosigen Wangen, die an einem Stück Möhre, anstatt an einem Keks knusperten. Die Kinder waren fröhlich und alle miteinander, als Familie, hatten eine wunderschöne, harmonische Ausstrahlung. Auch sah man die Eltern immer entspannt, sie kümmerten sich, hatten Zeit, oder nahmen sie sich. Hier ticken die Uhren irgendwie anders und das ist toll. Man sieht auf den Märkten, Alt und Jung mit einander reden, modisch gekleidete Menschen mit „Sackträgern“, es ist schön zu sehen, dass die Menschen hier nicht nach ihrem Äußeren bewertet werden, nach ihrem Job, nach Statussymbolen. Du wirst hier gemocht, für das wie und was Du bist, nicht was Du hast. Über die Jahre, hat auch das noch mehr auf mich abgefärbt und ich nehme mir heraus zu sagen, dass ich da wertfreier geworden bin. Sicher ich bin nicht vollkommen, aber ein großes Stück weiter.

So gibt es unzählige Anekdoten, meiner Erlebnisse, die ich erzählen könnte, aber das Schönste ist, wenn ich auf meinem Berg sitze. smiley
Ich gebe zu, ich kann nicht gut meditieren. Ich habe es mit Kerzenmeditation probiert, die ja gut für Einsteiger sein soll, aber ich bin mir nicht sicher, dass ich den Zustand erreiche, den alle beschreiben, mag aber auch sein, dass ich zu hohe Ansprüche an mich selbst stelle.

Was mir aber aufgefallen ist, ist, dass ich, wenn ich in der Natur sitze, ganz allein, die Sonne auf dem Gesicht spüre und die Augen schließe, ich in einen Zustand gerate, den ich meditativ nenne. Ich kann jetzt nicht sagen, dass ich aus meinem Körper trete, wie es so viele beschreiben, bei mir fühlt es sich so an, als hätte ich dann keinen Körper mehr. Ich bin einfach. Ich verschmelze mit all dem, was meine Sinne wahrnehmen, den Vögeln, der Sonne, dem Wind, dem Boden auf dem ich sitze, einfach allem. Ich bin in dem Moment ein Teil all dessen. Gleichzeitig macht sich ein Gefühl des vollkommenen Glücks und Freude in mir breit. Besser kann ich es nicht beschreiben.

Wenn ich im Nachhinein dann wieder meinen Verstand gebrauche, denn wie wir uns ja in etwa einig waren, benutzen wir den um zu vergleichen und zu analysieren, muss ich sagen, ich habe mich weder überlegen gefühlt, noch den anderen Dingen über geordnet. Weder der Pflanze, noch dem Vogel oder sonst etwas. Somit komme ich zurück auf den Regenwurm, der meiner Meinung nach so sträflich unverkannt wurde in meinem Debut. Man mag recht haben, wenn man sagt, dass der Regenwurm recht einfach „gestrickt“ ist und nur, ein geringes Bewusstsein hat und sicherlich folgt er nur seinem Programm, aber er tut das zumindest ziemlich gut. Wenn ich die Menschheit so betrachte, stelle ich fest, dass viele auch nur einem Programm folgen, welches oftmals sehr destruktiv erscheint. In diesem Blog wurde gesagt, wir sind die übergeordneten Wesen mit dem größeren Bewusstsein, dann frage ich mich ernsthaft, wo wenden wir das an? Verletze einen Regenwurm, oder teile ein Stück von ihm ab und er kann sich selbst regenerieren, selbst heilen. Wir Menschen sollen, nach Meinung erleuchteter Meister, auch fähig dazu sein, aber wer ist sich dessen noch bewusst und kann das? Nur wenige! Der Regenwurm hinterlässt, ganz nach seiner Bestimmung, jeden Tag fruchtbaren Boden. Wer von uns überaus bewussten Menschen hinterlässt denn täglich „fruchtbaren Boden“ für die Allgemeinheit? Damit meine ich nicht Boden im Sinne von Erde und erwarte vom Menschen, dass er seinen Garten mit seinem Kiefer umpflügt, sondern, dass er entsprechend seiner Möglichkeiten, versucht durch Denken und Handeln im Einklang mit der Natur zu leben!

Je älter ein Regenwurm wird, desto wertvoller wird er für die Umwelt. Er kann in viel tiefere Schichten vordringen und sogar Gesteinsschichten nach und nach umwandeln. Insofern leistet der Regenwurm effektive Transformationsarbeit. Welcher Mensch kann das heute von sich behaupten?

Seit ich so nah in und mit der Natur lebe, bin ich „klein“, demütig geworden und ganz vorsichtig mit dem Gefühl, dass ich, als Mensch eine übergeordnete Rolle inne habe, etwas Größeres, Wichtigeres bin. Und wenn ich die Welt so betrachte, wie wir mit ihr und all dem, was auf ihr weilt umgehen mit unserem großen, „überlegenen“ Bewusstsein, dann bestätigt mich das nur. Auf unserem biologischen Hof ist mir sogar schon mal ein Riesenregenwurm begegnet, ganze 80 cm lang. Wer Interesse daran hat ihn und unser Leben in Bildern zu sehen, kann gerne unsere Homepage ( www.steinnest.de ) besuchen.

Wenn man so lange in einem normalen Beruf steckte wie ich, ist es erst mal gewöhnungsbedürftig, auf einmal einen Tag vor sich zu haben, den man selbst mit Aufgaben füllen muss. Eine Zeit lang ist das toll und wie Urlaub, aber irgendwann fängt das Ego und das Arbeitstier in einem an zu rebellieren – zumindest war es bei mir so. So fragte ich mich irgendwann an meinem Sonnenplatz....

„Was willst Du tun? Was hältst Du für sinnvoll in Deinem Leben? Was willst Du verändern?“ etc.

Die Antwort kam ziemlich schnell aus mir heraus, ich wollte auch anderen Menschen diese Erfahrungen ermöglichen, wenn auch nur für eine kurze Zeit, in der Hoffnung, dass es sie an unseren Ursprung erinnert und verändert. So entstand die Idee, mit einer Ferienhausvermietung zu beginnen. Da mein Mann schon länger so abgeschieden auf diesem Berg lebt, hat das Leben hier ihn noch mehr verändert und auch ihm ist es ein Anliegen, seine Erfahrungen und Erkenntnisse weiter zu geben. Mit viel Liebe und Arbeit renovierten wir ein Holzhaus und einen Campingwagen und schafften die Möglichkeit, dass Menschen, die die Natur genauso lieben und schätzen wie wir, die Natur in ihrer ursprünglichen Form (wieder) kennen lernen können.

Besonders für Kinder halten wir es für wichtig, denn Studien, die besagen, dass Kindergartenkinder schon gar nicht mehr auf einem Bein hüpfen können, weder vorwärts noch rückwärts, oder wenn man sie fragt: „Wo kommt denn die Milch her?“, als Antwort nur wissen „Aus dem Regal im Supermarkt!“ finden wir sehr bedenklich und gruselig.

So kann ich aus eigener Erfahrung, der Beobachtung und dem Austausch mit anderen Menschen sagen, dass niemand aus einem Buch Weisheit und Erfahrung erlangen wird! Man kann noch so viele Bücher lesen, ohne die gelebte Erfahrung dahinter bedeutet das nichts! Man kann sich schlaue Texte um die Ohren werfen, mit Meinungen argumentieren, man kann ein Gefühl über gelesene Texte haben, wie es wohl rein theoretisch sein wird zu leben, wie etwas zusammen hängt, etc., aber es wird nie eine Erfahrung dahinter stecken, nur die Vorstellung von dem, was es sein könnte.

Licht und Leben

Eure Harmonie